Diepholz. 40 Stunden vom Alltag abgetaucht, anders kann man das letzte Wochenende in Diepholz nicht beschreiben. Eines der muggeligsten Festivals abseits der großen Mainstream-Festivals wurde zehn. An zwei Tagen spielten wieder 16, mit herzblut ausgesuchte Bands, auf der kleinen Bühne im Bürgerpark. Faire Ticketpreise, günstiges Essen, Camping am Auto, saubere Dixis und kein Müllpfand. Läuft ja auch so. Dies sind nur einige Punkte, mit denen das Festival zu überzeugen weiß.
Der Freitag sollte für uns später Starten als gedacht. Nicht nur einigen Bands machte die A1 an diesem Wochenende einen Strich durch den Timetable, sondern auch uns, dank Navi sind jedoch auch wir irgendwann irgendwie
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 Bratze (Kevin Hamann) |
angekommen. Anders als auf anderen Festivals war es trotzdem nicht besonders problematisch noch einen schnicken Platz für drei Autos, einen Pavillon und fünf Zelte zu finden. Erstes Highlight sollte an diesem Abend neben einem Akustikset von Adam Thompson (We Were Promised Jetpacks) am Intro-Stand, das Elektonikprojekt Bratze aus Hamburg sein, bestehend aus Kevin Hamann (Clickclickdecker) und Norman Kolodziej (Der Tante Renate). Beats treffen bei Bratze auf E-Gitarren und sie schafften es schnell mit ihrer sympathisch-ironischen Art das Publikum zu überzeugen. Als nächstes betraten We Were Promised Jetpacks die kleine schmucke Bühne. Beim Immergut Festival schafften die Schotten es das Zelt zum beben zu bringen und das sollte auch auf der Lichtung beim Appletree nicht anders sein. Atmosphärische Gitarrenwände, spannungsaufbauende Melodiebögen und ein einprägsamer Glasgow-Akzent, die Jungs lassen mit ihrer Musik selbst die Kritiker verstummen und ernten seither berauschende Kritiken. Dann betrat der Festivalheadliner Konstantin Groppers mit seiner
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 Get Well Soon (Konstantin Groppers) |
Band Get Well Soon die Bühne. Sein Debüt schlug vor gut zwei Jahren in Deutschland ein wie eine Indiebombe. Es folgten Dauerrotationen bei allen Radiostationen und Musikzeitschriften puschten ihn zusätzlich. Heute steht er dort, wo er auf solch einem Festival hingehört, an der Spitze des Lineups. Sichtlich gerührt bedankte Konstantin sich. Leider war ihr Konzert von technischen Problem durchtränkt. Den Abend schlossen We Have Band ab, bevor auf dem Campingplatz eine für Festivals ungewohnte Ruhe einkehrte.
Der Samstag konnte nahtlos an den Freitag anschließen. Anders als vom Wetterbericht angekündigt lachte die Sonne vom leicht bewölkten Himmel. Als erstes durfte an diesem Tag der junge aufstrebende Roman Fischer auf die Bühne. Es folgten Balthazar und Oh No Ono. Letztere lernten, wie viele an diesem Wochenende, bei ihrer Anreise aus Dänemark die Tücken der A1 kennen, und sorgten damit für die ersten Verzögerungen im Lineup. Dann betraten die hoch gelobten 1000 Robota die Bühne, die jedoch während des ganzen Konzerts mit technischen Problemen zu kämpfen hatten und das Publikum nicht so richtig überzeugen konnten. Es ist ja allseits bekannt, dass Schweden unglaublich gute Musiker vorzuweisen hat. Dieses hat man auch beim Apfelbaum Festival schon festgestellt und so wurden sie gleich im Doppelpack gebucht. Bevor jedoch Friska Viljor, der heimliche Headliner, die Bühne betrat, kamen erst noch Hellsongs mit ihrem Groove zwischen Balladen und Popsongs und der deutsche Singer/ Songwriter Gisbert zu Knyphausen. Zu Knyphausens Texte haben einen melancholischen, aber meist hoffnungsvollen Charakter, und so schaffte er es mit alten Klassikern und neuen Werken vom Album „Hurra Hurra“ das Publikum zu begeistern. Dann war es endlich soweit. Friska Viljor, letztes Jahr schon die Abräumer des Festivals, waren auch dieses Jahr wieder dabei. Für viele der Headliner 2010, was sich auch später bei den Sternen und FM Belfast in den Zuschauerzahlen
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 Friska Viljor (Joakim Sveningsson) |
wieder spiegelte. Gut eine Stunde spielten sie sich mit sichtlicher Freude durch ihr Set und wir freuen uns schon jetzt aufs Omas Teich Festival am nächsten Wochenende, denn dort werden sie am Samstag auch neben Fettes Brot und Johnossi spielen. Zum Ende des Festivals wurden zur späten Stunde, der Zeitplan hing bereits über zwei Stunden hinter der Zeit, noch zwei besondere Leckerbissen präsentiert. Zum einen Die Sterne, vielleicht der bekannteste Vertreter der Hamburger Schule und FM Belfast, dessen tanzende Zuschauer beim Immergut Festival löcher im Zeltboden hinterließen. Auch beim Appletree sollte es nicht anders kommen. Wer sich nach dem langen Tag vor Müdigkeit noch auf den Beinen halten konnte, musste einfach tanzen, bevor wieder diese ungewohnte Ruhe einkehrte.
Klein aber fein. Das Appletree Garden Festival ist doch mehr als nur ein Geheimtipp für Festivalfreaks. Wir sehen uns bei der Apfelernte 2011 im beschaulichen Bürgerpark von Diepholz. (
jk)
Appletree Garden Festival 2010 Serie 1
Appletree Garden Festival 2010 Serie 2