Hamburg. Wieder einmal unterwegs in die Hansestadt. Nach den anfänglich, typisch weiblichen Orientierungsproblemen erreichen wir die Reeperbahn und damit auch das Headcrash. Am Eingang warten schon einige Konzertbesucher aller Altersklassen auf den Einlass. Allerdings verschiebt sich das komplette Programm aufgrund technischer Probleme um eine halbe Stunde.
Um 21.30 Uhr fängt die holländische Band Racoon an zu spielen. Vorher noch nie aktiv gehört, ist man sofort begeistert von der Intensität der Songs. Frage mich: „Wieso ist mir diese Band eigentlich nicht schon früher aufgefallen?“ Das Stück „Love you more“ kommt mir zwar bekannt vor, bohrt sich aber erst an diesem Abend in den Gehörgang.
Dennoch, bester und gleichzeitig letzter Racoon-Song des Abends: „Close your eyes“. Starke Ballade, die Gänsehaut garantiert. Nach einer guten halben Stunde verabschiedet sich Racoon und Minor Majority betritt die Bühne.
Sofort ist der Raum von der Aura dieser Musik eingenommen. Vielleicht liegt es aber auch am Sänger Pal Angelskar, der nicht viel machen braucht, um die Sympathien der Zuschauer zu bekommen. Man ist überrascht, wie kräftig seine Stimme ins Mikrophon schallt, traut man das dem melancholisch, schüchtern wirkenden Norweger gar nicht zu. Mit „In that premature way“ geht es los und wie schon beim Auftritt von „Racoon“ wird es ganz still im Raum, alle lauschen und hängen den eigenen Gedanken nach.
Echte Traurigkeit kommt dennoch nicht auf, dazu unterhalten die Norweger einfach zu gut: Es wird nach Handtüchern gesucht, über Sprachfähigkeiten diskutiert oder einfach mal gelacht. Die Stimmung ist mehr entspannt als melancholisch. Das ist der Vorteil eines solchen Konzerts: Da gibt es keine Starallüren, sondern da sind die Künstler einfach nett und stören sich auch nicht daran, dass sie ihren Einsatz zwei Meter neben uns an der Bar abwarten, um dem Sänger sein Solo präsentieren zu lassen.
Wieder wird die These einer Freundin diskutiert: „Alle Männer sind Arschlöcher, nur nicht der Sänger von Minor Majority, weil wer solche Texte schreibt, kann keins sein.“ Da ich ja grundsätzlich an das Gute im Menschen glaube, bin ich am Ende (und vielleicht auch dank Minor Majority ) des Abends anderer Meinung, aber ich muss ihr mit dem letzten Teil ihrer Aussage Recht geben. Sei es nun „Wish you hold that smile“, „Come back to me“, oder „Smile at everyone“. „Think I´m up for you and I“ ist das letzte Lied (perfekter Abschiedssong im wahrsten Sinne des Wortes), was wir hören, bevor wir den Raum verlassen und uns auf den Rückweg machen.
Fazit: Ein tolles Konzert, das zeigt, dass es nicht immer laut sein muss, um Spaß zu machen. Beide Bands haben Potential, gehören hier in Deutschland aber eher zu den Insidertipps. Also hören und staunen. (
fh)
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