HIM - Screamworks: Love in theory and practice, chapters 1-13
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Niemand kann es so gut wie er. Rauh, tief und sinnlich. Umschmeichelnd wie ein warmer Sommerregen auf nackter Haut und zugleich kraftvoll wie ein Donnerschlag . Ville Valo weiß einfach, wie er seine Stimme einsetzen muss. Auch auf dem neuen HIM-Album Screamworks: Love in theory and practice, chapters 1-13 (erschienen am 12. Februar 2010) zeigt er wieder einmal wie facettenreich er seine Stimme nutzen und zu Höchstleistungen bringen kann. Auch, wenn einige Kritiker der Band immer wieder behaupten, es gehe in dieser "düsteren" Musik nur um Tod, Liebe und Gräber, dann hören sie nicht der Musik zu, sondern sich lieber selbt reden. Gerade dieses Album ist alles andere als düster. Es strotzt geradezu von Optimismus und Leben. Es geht auch nicht um den Tod eines Menschen im engeren Sinne, sondern um das Sterben von Gefühlen und Emotionen. Screamworks ist weit entfernt von (tief)schwarzmalerei, sondern kann beinah als hellgrau beschrieben werden. Schon die erste Single "Heartkiller" ist textlich zwar immer noch eher leicht anthrazit angehaucht ("Farewell the heartless world I'll send you a postcard burnt..."), ist aber im Ganzen verhältnismäßig fröhlich und beinhaltet sogar einige Elektroeinflüsse. Der typische und unverkennbare HIM-Sound geht aber dennoch nicht verloren. An einigen Stellen bekommt der Hörer das Gefühl, dass HIM aus dem gewohnten Klangkreis ausbrechen und experiementieren will. Zumindest bleiben die Elektroeinflüsse bei "Heartkiller" nicht die einzigen auf dem Album und auch stimmlich spielt Ville mit Höhen und Tiefen. Symbolik und klischeehaftes Gothicgedöns bekommt der Hörer dennoch auf die Ohren. Allerdings spiegeln sich diese Wurzeln der Finnen eher in den Texten der Werke wieder. Schon der erste Track beinhaltet ein Wortspiel, das Weinliebhaber sofort durchschauen: "In venere veritas" (eigentlich "In vino veritas"). Über den Inhalt kann man spekulieren, ob Valo nun sein Alkohol- und Drogenproblem damit verarbeitet oder einfach den Spruch toll findet, bleibt ein Geheimnis. "There are wounds that are not meant to heal" klingt fast kapitulierend, aber durch den melidiösen Sound bleibt auch dieser Song tanzbar. Die Gitarre von Gitarrist (und für Nebenprojekte auch Sänger) Linde (der 2001 unter dem Künstlernamen Daniel Lioneye sogar ein eigenes Album "King of Rock ´n Roll" herausbrachte mit einem Ville Valo an den Drums) wird auch hier wieder unverkennbar eingesetzt. Songwriter Valo scheint Geschichte und Legenden zu mögen, zumindest greift er diese in "Like Saint Valentine" (angeblich ein Priester namens Valentine, der heimlich Liebende traute und dafür am 14.02. im Jahr 269 v. Chr. hingerichtet worden ist. Wer mehr darüber wissen will, soll selber recherchieren) auf.
Ja, der Zuhörer wird komplett entwaffnet. "Disarm me (with your loneliness)", ein perfekt inszenierter Song, denn genau hier zeigt Ville Valo, dass kein anderer Sänger schöner seufzen und gleichzeitig singen kann. Achtet mal auf die letzten Töne des Songs. Gänsehaut und ein wohliges Gefühl des verstanden werdens, erzeugt dieses Stück, und beschreibt alles andere als heile Welt. Endlich wieder eine schmachtende HIM-Hymne, die vergleichbar mit "Bury me deep inside your heart", "Resurrection" (beide aus dem Album Razorblade Romance) oder "Sweet Pandemonium" (Love Metal) ist. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Ville Valo live sein Mikrophon liebkost. Ist vielleicht übertrieben, aber im übertragenen Sinn mag das stimmen. Etwas kurios betitelt, sticht "Katherine Wheel" aus der Trackliste heraus. Könnte eine Ode an die britische Band Catherine Wheel[/url] sein, die sich im Jahre 2000 auflöste. Genau sagen kann das wohl keiner.
Love Metal. Nicht nur ein Album von HIM, sondern auch Ville Valos (leicht humorvoll gemeinte) Bezeichnung für das, was seine Jungs und er für einen Musikstil präsentieren. Was sagt ein Künstler, wenn man ihn fragt, was für Musik er macht und warum er sein Album "Love Metal" nennt? Hören diese Reporter und Möchtegernjournalisten sich vorher die Musik nicht an? Prompt hatten HIM laut der töffeligen Journalisten ein neues "Genre" geschaffen. Nee, ist klar. Mittlerweile ist Valo dabei geblieben, dass was er macht so zu nennen. Warum auch nicht? Die Bezichnung "Love Metal" sagt doch nur aus, dass HIM mit Gegensätzlichkeiten arbeiten und ihre Musik kontrastreich ist. Klar abgrenzen von herkömmlicher Rockmusik tun sich die Herren auf jeden Fall und das sollte schließlich ein Ziel eines Musikers sein.
HIM hat nach drei Jahren Pause wieder einmal bewiesen, dass sie sich nach wie vor treu bleiben. Zwar experimentieren sie hier und da mit den Reglern im Tonstudio, präsentieren uns aber den typischen HIM-Sound. Für renitente Leute könnte das heißen, dass sie ja nichts anderes können oder keine Entwicklung erkennbar ist. Aber mal ganz ehrlich: HIM kann sich das erlauben, da zum einen kein anderer auf ihrer Schiene fährt und zum anderen was soll daran schlecht sein? Wem es nicht gefällt, der braucht das Album nicht kaufen und diejenigen, die so schlau sind, es zu tun, werden begeistert sein. Musik bleibt Geschmackssache und als HIM-Hörer seit dem 16. Lebensjahr kann ich nur sagen: Es hat definitiv eine Entwicklung stattgefunden. Auch ein Ville Valo ist älter geworden und das ist gut so. (fh)
Trackliste 1. In venere veritas
2. Scared to death
3. Heartkiller
4. Dying Song
5. Disarm me
6. Love, the hardest way
7. In the arms of rain
9. Ode to solitude
10. Shatter me with hope
11. Acoustic funeral
12. Like St. Valentine
13. The foreboding sense of impending happiness
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