Ben Faber hat gerade einen ziemlichen musikalischen Output. Nachdem er mit Johanna Schönbeck und Margarete Thyssen zusammen "mittelalterliche" Musik mit Gitarre, Blockflöte und Violoncello vertont hat, und dies als "Widerklang" herausgebracht hat, folgte jetzt direkt im Windschatten seine Solo-CD "Widerlieder".
Ben hat auf jeden Fall eine sehr hervorstechende hohe und geradezu virtuose Stimme, die bei beiden Werken im Mittelpunkt steht.
Widerlieder
Die CD Widerlieder ist irgendwo im Singer/Songwriter Kosmos zu verorten, da sie tatsächlich aus (deutschsprachiger) Stimme und Gitarre besteht. Einzuordnen fällt allerdings nicht leicht, da sie weder mit den typischen englischsprachigen Vertretern dieses Genres, und noch weniger mit den deutschen Vertretern zu vergleichen ist. Die Einordnung muss durch Abgrenzung erfolgen, es ist sicher der Gegenpol zum nuscheligen überromantischen Philipp Poisl und auch ganz weit weg von Witzigbolden, wie den Monsters of Liedermaching oder Funny van Dannen.
Im Zentrum der Widerlieder steht der Text. Und hier sind die Themen nahe am Alltag. Märchen gibts hier keine, auch wenn ein König drin vorkommt, sondern eher Metaphern oder Geschichten die direkt aktuelle gesellschaftliche Themen etwas ironisch ansprechen (Tomaten, Wunschkind, Bilderzeitung, Fleisch, Geiz), dann wiederum gehts etwas "tiefer" (Weg, Schatten, Himmel) oder auch mal ganz nachdenklich (Erinnerung, Tagtraum).
Musikalisch steht hier die Komposition und keine aufwendige Gitarrenarbeit im Vordergrund. Minimalistisch sowieso, und auch sonst eher direkt aber nie langweilig. Dazu wird das ganze von dem chansonesken Gesang viel zu gut getragen.
Am besten funktioniert Ben Faber bei "Erinnerung", eine melancholische Grundstimmung, die von einem starken Ausdruck in der Stimme getragen wird, dazu Textzeilen die wirklich gelungen sind "bin ich endlich wieder der, der ich schon lange nicht mehr bin." oder "Mein Kalender zeigt nur gestern, das Heute ist schon längst vorbei," sind schöne Gedankenspiele die hier einfach richtig stimmig sind, und mehr erzählen als der Text auf den ersten Blick hergibt.
http://www.benfaber.de
Widerklang - Clear or Cloudy
Ganz anders die Lieder von Widerklang. Hier war der Text und der Gesang schon vorgegeben. Von teilweise 400Jahre alten Liedern. Um diesen Gesang herum hat Ben Faber ganz neue Stücke erschaffen. Die Message ist gar nicht so fern von aktuelleren Sachen. Es ging ja auch damals schon um Verliebtsein, Trauer, Abscheid oder Wiedersehen.
Beim Hören, fallen einem Paralellen zu Filmmusiken ein, die Stoff aus früheren Jahrhunderten behandeln. Im Mittelpunkt wieder Ben Fabers hohe klare Stimme diesmal aber oppulenter Untermalt von athmosphärischen Klängen.
Nichts zum Tanzen, und auch weniger was für Autofahrt oder Fahrstuhl. Nein das ist eher Musik zum Träumen. Von einer anderen Epoche, einem anderen Ort, ja vielleicht sogar einem ganz anderen Sein. Der Geist der Vergangenheit scheint auf jeden Fal
l durch die Songs durch. Auch wenn sie irgendwie zeitgemäss klingen.
Zum Glück gibt es Hörproben auf den Webseiten der verschiedenen Projekte. Nicht für Jeden was, aber wer sich einlässt in fremde Welten, wird mit einem ganz besonderen Musikerlebnis belohnt.
http://www.widerklang.de